Neuer Blog zur Transalp 2009

3. Dezember 2008 von SL

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Die Vorbereitung und die Transalp 2009 wird jetzt unter

http://transalp2009.wordpress.com

gebloggt. Wir hoffen auf muntere und interessierte und denkende und dichtende LeserInnen.

Das Schloss am Wörthersee

24. September 2008 von SL

Gut angekommen. Schnelle Etappe – auch für mich. Keine Hände in Gips, die nichts mehr schreiben können, wie Lutz mutmaßte. Nur das Ankommen, Feiern, Abreisen ließ keine Internetzeit übrig.

Offensichtlich liegt meine bessere Steigungsklasse bei 4 bis 6 %. Weniger, da hauen die Muskelprotze rein. Mehr da fliegen die Leichtgewichte rüber. Also war die letzte Etappe gut für mich. Hätte ich gewusst, wie knapp der dritte Altersgruppenplatz war, hätte ich mehr gewagt. Aber hätte, wenn, wäre usw.

Ankunft war vor dem Schloss am Wörthersee. Sonne, gute Stimmung, klarer See – Alles klar. Vielleicht hätte ich meine Füße nicht so lange in den relativ frischen See halten sollen. Jedenfalls gab’s einen kleinen Infekt, wegen Kälte oder wegen der vergangenen Anstregungen. Aber das matters not.

Allen Dank an die Dichter, Denker und Kommentatoren dieses Blogs. Geht es weiter 2009? Knut wankt schon, Peters und Jörgs Anmeldungsfinger zucken, wir werden sehen! Lance kann auch nicht aufhören, warum dann wir?

Kurzbericht von der Kurzetappe

19. September 2008 von SL

Genau 15 Minuten gibt mir die Wirtsfrau vom „Zum Brauhaus“. Solange kann ich an den Haus-PC und das Internet bedienen. Ansonsten gibt es in Murau an der Mur (sic!) keinen öffentlichen Internetzugang. Vielleicht bei der Jugendherberge sagte sie, aber da sitzen bestimmt Horden der Jugend und wollen wie ich ihre wichtigen Erlebnisse aus Murau in die Welt rufen.

Kurze Etappe mit 25 km Neutralisation. Es ging die ganze Zeit bergab und vermutlich wollten die Organisatoren ein übles Tempogebolze über recht kurvige Straßen vermeiden. Da hätte es doch leicht viele Stürze gegeben. Dann gings schon über den Sölkpass. Vielleicht der unbekanntestes Übergang über den Alpenhauptkamm? Die Straße ist jedenfalls so schmal, dass da nicht viele Autos fahren. Nur wir Radler befuhren eine im Schlussanstieg ziemlich heftige Rampe. Danach nur noch berab nach Murau an der Mur. Sonne, mein Hotel direkt an der Zielankunft und alles claro.

Fahrradtechnisch noch etwas anzumerken? Ja, es ist interessant zu beobachten wenn ein Mixed-Team in einer ziemlich schnellen Gruppe fährt und der Mann den Stress hat, dass die Frau in der Gruppe bleibt. Nicht nur wegen abgehängt werden, sondern weil es auch Ärger gibt. Dann kommt die Schleudertechnik zum Einsatz. Also Frau am Arm fassen und nach vorne schleudern. Ich als Fahrer hinter der Frau fühle mich ein wenig unsicher, ob der Mann auch richtig schleudert und keinen Sturz provoziert. Sah in meinen Fall aber sehr geübt aus, was das Team da machte.

Morgen schleudere ich mich zum Wörthersee und werde auf jeden Fall unabhängig von der Wassertemperatur hinein springen. Plumps und Prost.

Auf dem Dach des Steins

18. September 2008 von SL

Gestern nach der Königsetappe über 145 km mit 3.500 hm war ich so platt, dass ich sowohl den gebuchten Massagetermin als auch jeglich Internetaktivität verschlafen habe – also echt geschlafen. Nach meiner Messung 6:45 Stunden im Sattel mit nur ganz kurzen Pausen geht auf den Hintern und den Kopf. Irgendwie läuft die Tour ganz ambilvalent. Keine Schmerzen mehr in der Rippe dank Voltren. Für Knut: Ist noch von den Vattenfall Cyclassics. Tolles Wetter, nur Sonne wenn auch etwas frisch. Aber dann klemmt mir die Kette zwischen dem kleinen und dem mittleren Kettenblatt ein. Ich dachte das kann nur bei Campa geschehen. Es hiess warten bei ein freundlicher Marshall von der Tour-Eskorte anhielt und mit kräftigem Zangenriss die Kette rausholte. Kette hat es überlebt aber alle relevanten Gruppen war mal wieder weggefahren.

Ansonsten ist Nockalmstraße, die wir gefahren sind und die für ihre landschaftliche Schönheit gerühmt wird, für uns Rennradfahrer eher die Knockoutstraße. Ich fand den Anstieg zu ersten Passhöhe schlimmer als den bei der Transalp gefürchteten Furkelpass. Es ging bestimmt über 5 km mit stetig zwischen 11 und 15% hoch. Über längere Strecken bei 7 bis 8 km/h fahren, das kannte ich auch seit langem nicht mehr. Als dann die Nockalmpässe gefahren waren, gabs als Schmakerln noch so einen dritten kurzen und extrem ekligen Pass.

Zum Glück haben mich auf den restlichen 30 km zwei Bayern noch aufgelesen. „Fahrst du mit?“, „Ja“, „Dann red’ i a mit dir.“. So sind sie die Bayern, aber es lief dann noch ganz gut ins Ziel. Empfang in St. Michael im Lungau war in herrlicher Sonne, frischem Erdinger alkoholfrei und Nudeln sowie Suppe einfach nur gut.

Den Rest des Abends dann bei der üblichen Siegerehrung, dem Lied „Stand up for the champions“, den Grüßen des Bürgesmeisters und Nudeln, Nudeln, Hähnchen und auch Bier verbracht. Morgen haben Rainer und ich beschlossen, schenken wir uns die Pastaparty und gehen zum Italiener Salat essen. Der Bürgermeister sah übrigens aus wie eine original Deix-Figur. Ich konnte mich gar nicht satt sehen.

Heute gabs eine nette schnukelige Etappe von 80 km mit 1.500 hm von St. Michael nach Ramsau am Dachstein. Langsam lernen wir die Östereichischen Lande kennen. Die Steigungen war heute moderat und die Abfahrt vom Obertauern war einfach laufen lassen, höchstens drei bis viermal bremsen und die Autos abhängen. Wenn nur der blöde Freilauf nicht häufig Geräusche machen würde. Ok, Knut hat recht, dann müssen eben neue 1.000 g Laufräder her.

Wegen der kurzen Etappe und ziemlich zügiger Fahrweise war ich schon um 12 Uhr im Ziel und wir sind noch mit der Seilbahn auf den Dachstein gefahren. Diese grandiose Bergmassiv thront über unserem Zielort Ramsau und meine Pension ist der sogenannten Sommercard angeschlossen, die eine Freifahrt auf den Dachstein einschließt. Sehr beeindruckend diese Seilbahn von 1.600 m auf 2.700 m ohne eine einzige Stütze und die Fahrt dauert gerade 6 bis 7 Minuten. Und oben schaut man in jede Himmelsrichtung und sieht die Alpen all überall. Da verzeihe ich sogar den eher mauen Apfelstrudel mit Vanillesauce bzw. -pampe.

Ein gewisser Höhepunkt der Tour also heute. Gute Etappe ohne Panne, einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, dass ich nach dem letzten Anstieg von der dort noch vorhandenen Gruppe nicht mehr eingeholt werde (hat geklappt), total schöne Pension mit sehr freundlicher und hilfsbereiter Gastwirtin, Dachstein und gleich gehts zum Italiener und nicht zur Pasta-Party.

Morgen noch 77 km und am Samstag abschließend 100 km mit jeweils nicht zuvielen Höhenmetern. Das hört sich nicht nur Saisonabschluss an, das ist er auch. Vielleicht plant die bewährte Dreiergruppe KnutS, Lutz und ich noch eine abschließend Moselfahrt? Aber dann mit Weinprozenten anstelle von Steigungsprozenten. Das muss noch trilateral geklärt werden.

Dem Besenwagen entkommen

16. September 2008 von SL

Gutes Wetter heute – kalt aber kein Regen und es waren die wirklich herrlichen Berge zu sehen. Die Etappe von Lienz nach Hermagor über 114 km und 2300 hm war eigentlich eher moderat, so dachte ich. Aber falsch gedacht. Der Aufstieg zur Pustertaler Höhenstraße war der zur Höllenstraße. Ziemlich lange Rampen mit 15 %. Dann ratterte auf den tollen Abfahrten mein Freilauf so wie wenn ein Getriebe den Geist aufgibt. Nur wenn ich in der Abfahrt noch weitertrat hörte das Geräusch auf. Später meinte ein Mechaniker, die Mavic Freiläufe seien dafür anfällig, insbesondere bei längeren Regenfahrten, trocken gefahren zu werden. Mal sehen, ob ich das morgen behoben bekomme, weil der Servicestand von Scott im Zielbereich nur Scott-Räder versorgt. Auch eine Verkaufstrategie für Rennradhersteller.

Nach der Pustertaler Höllenstraße ging es auf ziemlicher flacher Talstraße zur erster Verpflegungsstelle und dummerweise erinnerte sich meine Rippe an den Bodenkontakt nachdem ein VIP von Radio Bremen mich abgeschossen hatte. Also mir tat jeder Atemzug höllisch weh. Ich dachte daran an der Verspflegungsstation in den Besenwagen einzusteigen und gemütlich zum Ziel zu schaukeln. Der Arzt des dort anwesenden Rescue-Teams gab den klugen Radschlag mit geprellter Rippe einige Zeit Pause zu machen. Guter Tipp mitten auf der Trans-Austria. Die ebenfalls anwesende Ärztin war pragmatischer, untersuchte die Rippe noch einmal, sagte dass die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht gebrochen ist und meinte ich könnte auch ein Schmerzmittel nehmen.

Das hat dann auch wunderbar gewirkt. Soll ja auch euphorisierend wirken. Unsere Ex-Fussballprofis Jörg und Peter kennen das ja. Auf jeden Fall ging es danach munter weiter. Leider waren alle relevanten Gruppen weit weg und ich durfte eine Alleinfahrt über den Kartitsch-Sattel und das unberührte Leusachtal machen. Konnte ich ein wenig mehr in die Landschaft schauen, als wenn es in der Gruppe über die engen Straßen geht.

Nach 5:15 war ich endlich im Ziel. Nach meinem Radcomputer war die Durchschnittsgeschwindigkeit aber immerhin bei 24,5 km/h. Der hat die Medinpause nicht mitgerechnet. Aber keine Schutzbehauptungen, jetzt weiss ich wie sich Jens Voigt fühlt, wenn er bei der Deutschland-Tour hinterherfährt.

Die Unterkunft am Zielört in Hermagor-Tröpolach ist etwa eigen. Eine Mischung aus Gefängnisneubau, Jugendherberge, Eventcenter und Sichtbeton/Glas/Holz-Architektur. Sie ist nach meiner Ansicht ausgelegt auf 20 Jährige die sich im Wintersport Kante geben - beim Ski und am Tresen. Gut gefallen haben mir die rohen Betonwaschbecken. Und dass vor jeder Zelle ein Raum für die Räder ist. Ich habe Zelle 121. Für Jörg hätte ich Zelle 105 gebucht.

Auf jeden Fall hat Rainer sofort nach Ansicht der Zimmer storniert und ist in eine Bauernstube gewechselt. Nicht jeder ist durch die Himmelfahrtstreffen der Krefelder so gestählt wie ich, was die Unterkünfte betrifft. Und so gut wie in Hinterhermsdorf ist es allemal (Insiderbemerkung für Lutz und KnutS).

Internetzugang habe ich hier in einem absoluten Schicki-Hotel. Zum Vergleich bei meiner Absteige kostet es 22 Euro pro Nacht, hier 122 Euro. Wasserfall an der Wand, knisterndes Ofenfeuer, Ledersitze vor dem Internetbildschirm, Barbereich von ca. 700 m² mit indirekter Beleuchtung des Tresens von unten, etc. Aber die Leute sind doof um es ganz direkt zu sagen. Österreiche und neureiche tschechische Schickis. Man sollte einmal einen Kulturbericht, -roman über die öffentliche Internetzugänge schreiben. Klausens übernehmen Sie.

Morgen steht die Königsetappe an. Soll ich zwei Voltaren einwerfen? Auf der Dopingliste stehen die nicht. Und vielleicht ist da der Turbo eingebaut. Ich glaube ich versuche es lieber mit der bewährten Lübecker-Traininsmischung in Form von 3 Weizenbier, das sogenannte Waldiniveau.

Teilnahme an der ersten ausgefallenen Etappe

15. September 2008 von SL

Ich durfte an einem historischen Ereignis teilnehmen. Das erste Mal fällte beim Veranstalter der Tour Transalp und Bike Transalp eine Etappe vollständig aus. In Bussen und mit verstauten Rädern ging es durch den Felbertauerntunnel nach Lienz. An der Alpennordseite vor dem Tunnel drohten oben die weißen Gipfel im Schneetreiben. Also wirklich kein Durchkommen. Nach dem Tunnel an der Alpensüdseite sehen wir nach drei Tagen wieder die zaghafte Sonne. Kein Schnee auf den Bergen und trockene Straßen – herrlich.

Der Veranstalter hätte nach meiner Ansicht z.B. ein EZF in Lienz veranstalten können. Aber heute in meiner mentalen und körperlichen Verfassung bitte keine Berg-EZF, lieber flach. Und außerdem hätte er uns EZF-Rennmaschinen zur Verfügung stellen sollen. Na gut, alles nicht geschehen, stattdessen haben ich mit meiner Individual-Teilnehmer-Bekanntschaft Rainer eine kleine Trainingsrunde auf dem schönen Isel-Radweg gemacht.

In meinem Hotel ist auch das führende Männerteam von Stevens untergebracht. Während ich neue Bremsbeläge montierte (ja lieber Knut ich bin nicht zum Technikstand gegangen!) klebten die reihen weise neu Schlauchreifen auf die unzähligen Felgensätze. Dabei hatten sie die gleiche Version wie Peter an seinem Rad für die Berge, schnittige aerodynamische für die Ebene etc. Und auch Stollenreifen. Ob  sie damit vorgehabt hätten durch den Schnee zu pflügen frug ich. Nö, die seien für das erste Crossrennen der Saison in Tschechien am kommenden Sonntag. Die Trans-Austria (Ende am Samstag) sei eine Trainingsvorbereitung für die Crosssaison. Den einen von den beiden hatte ich die gestrige Strecke in kurzer Hose fahren sehen. Alles eine Frage der Geschwindigkeit meinte er – was immer das bergab auch bedeutet. Na als Mitglied des Junioren-Nationsteams auf der Straße und Cross ist das eben eine andere Liga.

Er erzählte auf meinen Einwand, Crossrenen seien doch völlig unbekannte, dass in Belgien teilweise 60.000 Menschen an der Strecke stehen und dafür auch noch 20 Euro bezahlen. So sind sie also die Belgier: Bier, Pommes und Cross. Ja, ja ich weiß, die können auch ganz toll kochen, haben Merckx und die Bebauung am Meer in Oostduinkerke hervorgebracht.

Morgen soll es mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 % morgens trocken bleiben. Unser lustiger Moderator der Abendveranstaltung juxte, dass es in Kirchberg die gleiche Regenwahrscheinlichkeit war – sprich Dauerregen. Aber als Fortschrittgläubiger setze ich auf eine höhere Entwicklung im Wettergeschehen – sprich Sonne. Hoffentlich machen Beine und Kopf mit. Sie fühlen sich irgendwie tiefgekühlt an.

Die Versorgung mit Internet-Stützpunkten ist gut. Bei der Transalp brauchten wir oft lange einen Internetzugang zu finden. Manchmal in dunklen Kellern, welche eine kleine Türe zum Internet-PC öffneten. Hier in Österreich pulsieren die Adern des www. Oder liegt es daran, dass ich Knut nicht allabendlich bei der Wahl der Radkleidung für den nächsten Tag beraten darf. Hier ist das im Übrigen gibt es eine einfach Regel: Winterschuhüberzieher, Winterhose, Winterjacke. Auf jeden Fall finde ich hier immer eine verrauchte Kneipe oder eine einsame Hotelbar an der ich meine Zeilen schreiben kann. Vielleicht auch morgen.

Pistenraupe sind nicht schlecht

14. September 2008 von SL

Tanja als Halb-Österreicherin hat es erfasst. Pistenraupen sind das Richtige. Leider reicht das für uns wohl nicht. Der Betreiber der Großglocknerstraße will morgen um 5 Uhr entscheiden, ob er die Straße überhaupt aufmacht. Oben in 2500 Meter Höhe sind es wohl -7 °C, es schneit durch und man sieht im Nebel die Hand vor Augen nicht. Da knickt der Veranstalter ein und sagt die morgige Etappe ab. Na ja, bei unseren Schneespaziergang zur Pasta-Party ist das vielleicht nicht ganz schlecht. Es ging mit der Kabinenbahn wegen des tollen Blickes und dem Engagement des heutigen Zielortes auf 2100 Meter Höhe in die Berggaststube. Da lag dann der feine Neuschnee.

Morgen geht es mit Bussen (ja Lutz, da war wohl Freud mit im Spiel) durch den Felbertauerntunnel zum Zielort nach Lienz. Eher Kulturprogramm mit Glühweintrinken im Expo-Area (so heißt heutzutage der Ausstellungsbereich der Sponsoren der Trans-Austria).

Rein rennmäßig war das heute nicht mein Tag. Dauerregen über fünf Stunden, Nebel an den beiden Passhöhen und meine angeblich wasserdichten Handschuhe sind vollgelaufen wie ein Schwamm. Ich habe an den Händen bestimmt 1,5 kg Zusatzgewicht nach oben geschleppt. Die berühmten Krimmeler Wasserfälle, von denen der Rennleiter Stanciu sagte, wir sollten trotz Rennfieber auf jeden Fall einen Blick drauf werfen, gab es nur vor der Brille.

Zeit habe ich verloren als ich einer um Hilfe bittenden Fahrerin diese erbot. Nach den ersten neutralisierten 14 km kam der erste Anstieg. Sie hat sich wohl verschaltet, die Kette war abgesprungen und sie rief „Ich brauche Hilfe, die Kette ist ab“. Natürlich hält ein richtiger Rennradfahrer nicht an, das gesamte Feld im Rennfieber zischt vorbei - außer dem Herrn Lotter, der der quickenden Fahrerin hilft.

Dann gab es noch einen unschönen Sturz in der Abfahrt vom ersten Pass. Ich komme um eine Serpentien und sehe in ca. 2 m Höhe ein Rennrad zwischen zwei Fichten hängen. Ca. 5 m den Abhang hinunter lag eine Fahrerin und hörte sich gar nicht gut an. Zum Glück war ihr Mann schon da und wir versuchten über diverse Handynummern das Rescue-Team zu erreichen. Ihr Mann schickte mich dann irgendwann los, da wir sowieso nichts mehr machen konnten. Ich habe später gehört, dass sie eine Gehirnerschütterung hat und ins Krankenhaus kam. Hoffentlich ist ihr nicht mehr zugestoßen.

Hört sich jetzt alles ein wenig negativ an. Aber ganz so schlimm fühlte sich die Tour nicht an. Leider ist jedoch auch der sonnigen Saisonabschluss-Tour durch die Alpen bisher nichts geworden. Aber ab Dienstag soll es zumindest trocken, wenn auch nicht besonders warm, sein und dann würde der Franz vielleicht sagen: „Geht’s raus und fahrt’s.“

Die kleine Tour-Familie trifft sich

13. September 2008 von SL

Das erste „Briefing“ in Kirchberg (Tirol) bei Kitzbühel. Kitzbühel war wohl zu arrogant deshalb ist morgen der Start im kuscheligen Kirchberg. Knapp über 300 Starter sind es wohl und diese kleine Tour-Familie ist gegenüber der Transalp doch übersichtlich – aber das ist auch gut so.

Bislang ertönen unser Lieblingssongs von der Transalp, denen zu entgehen es keine Chance gab, noch nicht (insbesondere “Stand up for the champions“ ).  Der Start morgen wird wohl verregnet und etwas frisch mit 4 °C. Mal sehen was die gesamten Winterklamotten so hergeben. Auf jeden Fall hat die Rennleitung schon verschiedene Szenarien für den Montag über den Großglockner vorgetragen. Z.B. eine Busfahrt durch den nebenliegenden Felbertauerntunnel, wenn oben in den Bergen gar nichts geht. Oder die Abfahrt von der Passhöhe mit Busen – auch nicht schlecht.

Da ich hier in einem etwas skurillen Internetcafe, das scheinbar von völlig uninterssierten und eher an ihrer Freundin interessierten 15 Jährigen betrieben wird, sitze und mir keine weiteres Geld von denen gewechstelt werden kann, muss ich ganz abrupt Schluss machen.

Es geht weiter!

12. September 2008 von SL

In 15 Minuten geht es zum Zug nach Kirchberg in Tirol: Trans-Austria. Knut kann wegen der kleinlichen Vorstellungen der Schulleitung nicht mitfahren – Unterricht oder so.

Wetter soll in Österreich gut werden – für Skifahren. Mein Tip ist, dass unsere Großglocknerüberquerung am Montag in den Schnee fällt. Es sind dort oben -4 bis maximal -2 °C und Schneefall vorhergesagt. Jörg meinte ich solle doch meine Winterrreifen aufziehen.

Vielleicht sollte man im September doch besser eine Trans-Sicilia planen.

Transalpiniert und glücklich im Meer

16. Juli 2008 von SL

Wir sind glücklich, heil und schnell in Bibione an der Adria angekommen. Berge, Pässe, Geschwindigkeit, Quälen an den letzten Höhenmetern, Regen, Gewitter, Menschen an der Straße, das Fahren im Feld bleiben in Erinnering. Außerdem kein Sturz, keine Panne und eine tolle Teamleistung.

Schon wieder in Hamberge will ich unseren Bericht mit der letzten Etappe und dem Bad in der Adria abschließen. Die allseitige Beschäftigung mit Rad, Hotel, Feiern, Packen, Reisen, Ankommen, lassen erst jetzt die Zeit dafür.

Die 150 km durchs flache Oberitalien waren etwas ganz anderes als die Fahrten der vorherigen Tage. Es ging mit einem Höllentempo auf leicht abfallenden glatt asphaltierten breiten Straßen los. Nach 100 km hatte ich einen Schnitt von ca. 42 Km/h auf dem Tacho. Der höllische Respekt vor möglichen Stürzen wie sie beim Fahren in großen Feldern öfter vorkommen erwies sich zum Glück als unbegründet. In meiner Gruppe – soweit man bei ca. 100 Fahrern noch von einer Gruppe sprechen kann – fuhren alle sehr diszipliniert. Ich hatte den Eindruck alle wollten heil in Bibione ankommen und die Zeit und die Position waren nicht so wichtig. Und das war auch gut so und das Fahren machte mir richtig Spaß.

Die letzten 50 km durch die brütend heiße, schwüle und dann mit Seewind (Gegenwind) versehene Ebene waren nur noch abzufahren. Ich habe dann die km bis zum Ziel gezählt. Knut hat über die gesamte Etappe geflucht, ich kenne die Flachetappen ja gut genug aus den norddeutschen RTFs.

Bibione hat die 8.000 Einwohner und 250.000 Betten. So sieht die Stadt auch aus. „Man spricht deutsch“. 20er Reihen Sonnenschirme mit Stuhl und Tisch am Strand – den Hotels zugeordnet. Uns wars egal. Ankommen Trikot runter und ins herrlich kühl, warme Meer. Sogar Knut wagte sich hinein. Das kann ich Ute nochmals hoch und heilig versichern.

Das begeehrter Finisher-Trikot sieht auch wie vom Imkerverband gesponert. Endlich fährt Knut mal für ein gesundes Lebensmittel und die Ökobranche Werbung:

Unser Tagesplatz war 20. in der Altersklasse – auch nur ca. 5 Minuten nach den Ersten in der Gesamtwertung. In der Endwertung sind wir 24. in der Alterklasse und 232. im Gesamtklassement. Und wir saßen 33:53 Stunden im Sattel. Hat aber alles gehalten, dem Hirschtalg sei Dank.

Eigentlich wollten wir die Transalp einmal fahren. Aber schon beginnen die Zwischenbemerkungen und -überlegungen: Oder doch nächstes Jahr noch einmal?!

Ganz vielen Dank allen die mitgefiebert und gelitten und gelesen und kommentiert haben.